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Frachtdampfer S/S „Zakynthos“ vor Monemvasia, Griechenland

Bei seinem Untergang hatte das Schiff einen Geldschatz an Bord. Einen Schatz mit einem kleinen Hacken…


Der 70 Meter lange und 960 Bruttoregistertonnen messende Postdampfer ist im Jahr 1892 auf der britischen Werft „Earle’s Shipbuilding & Engineering Co. Ltd.“ unter dem Namen S/S „Victoria“ vom Stapel gelaufen. Wie für solche Schiffe üblich, wechselte es im Laufe seines Lebens einige Male den Eigner und die Flagge, bevor es im Jahr 1931 in den Besitz seines letzten Eigners – der griechischen Reederei „Hellenic Coast Line“ in Piräus überging. Gleichzeitig wurde es auf den Namen „Zakynthos“ umgetauft. Zu Beginn der deutschen Invasion im April 1941 wurde das Schiff von der griechischen Regierung akquiriert und für den Transport von 50 Millionen Drachmen nach Ägypten beordert. Von dort aus sollte das Geld vermutlich nach Großbritannien weitergeleitet werden, wie dies zuvor mit dem Gold und internationalen Devisen der Bank von Griechenland geschah. Neben der halben Schiffsbesatzung befanden sich 120 weitere Seeleute von bereits versenkten Marineschiffen an Bord. Den Geleitschutz übernahm das griechische Torpedoboot „Kydoniai“. Aufgrund der niedrigen Fahrgeschwindigkeit, war der kleine Geleitzug gezwungen nur nachts durchzufahren und bei Tag den Schutz vor der Küste zu suchen. Bereits kurz nach der Abfahrt wurden beide Schiffe zum ersten Mal aus der Luft angegriffen, jedoch ohne Schäden. Bei einem Zwischenhalt vor Monemvasia erfolgte der zweite Angriff, bei dem „Zakynthos“ zwar nur leicht beschädigt wurde, aber trotzdem nicht mehr weiterfahren konnte, da der Rest der Besatzung an Land flüchtete und nicht mehr zurückkehren wollte. Bei dem anschließenden Versuch das Geld von „Zakynthos“ auf „Kydoniai“ zu verladen, stellte man fest, dass die 50 schwere Kisten das Torpedoboot überfrachten und zudem seine Seetüchtigkeit gefährden würden. Noch während der Klärung zur weiteren Vorgehensweise besiegelten 12 Stuka-Bomber der deutschen Luftwaffe mit dem Abwurf von 40 Bomben das Schicksal der beiden Schiffe, die heute direkt vor dem Stadtfriedhof in einer Tiefe von bis zu 37 Metern liegen. Ein Teil der vermeintlich wertvollen Ladung an Bord der „Zakynthos“ überlebte sowohl den Beschuss, als auch den anschließenden Brand und wurde mit der Zeit an die Küste angeschwemmt.


Die neuen 100-Drachmen-Geldscheine wurden im Jahr 1939 in London bestellt und kamen wegen des Kriegsausbruchs verspätet in Griechenland an, wobei die hohe kriegsbedingte Inflation dieses Geld bis dahin teilweise entwertet hat. So war die griechische Regierung gezwungen, diese Scheine anders zu markieren und sie als 1000-Drachmen-Geldscheine in Umlauf zu setzen.  Doch die Banknoten an Bord der „Zakynthos“ war noch nicht markiert und somit ungültig. Trotzdem haben Geldfälscher die Gelegenheit genutzt und die angespülten Drachmen in den Umlauf gebracht. Es begann ein Wettlauf zwischen den Fälschern und der Bank von Griechenland, die es versuchte, die Bevölkerung vorzuwarnen bzw. die ungültigen Scheine abzukaufen. Das Ganze endete erst nachdem selbst die 1000-Drachmenscheine aufgrund der Inflation nur noch zum wertlosen Papier wurden.


Was das Wrack selbst angeht, wurde es zwischen 1948 und 1952 teilweise abgeborgen. Heute besteht es nur noch aus einem verstreuten Stahlhaufen, wobei die Bugsektion halbwegs intakt geblieben ist.


Holger Buss - Dive 3D

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