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KüMo MV „Pylaros“ vor Piräus, Griechenland

Bei unserem letzten Tauchgang am Wrack der „Pylaros“ im September 2023 haben wir regelrecht ein „Geisterschiff“ vorgefunden. Der kleine Frachter war dicht mit abgerissenen Fischernetzen bedeckt, die überall gespenstisch von Masten und Aufbauten runterhingen. Im durch die Nähe des Großraums von Athen bedingten trüben Wasser sah es beinah so aus, als wären es gar keine Netze, sondern die Segelfetzen, die man da ansieht. In der Zwischenzeit haben „Ghost Diving“ und „Healty Seas“ mit der Bergung von diesen extrem umweltschädlichen Geisternetzen begonnen, sodass man das Wrack in der Zukunft gefahrlos betauchen können wird.


Der ca. 57,5 Meter lange Motofrachter lief im Jahr 1954 unter dem Namen MV „Notec“ im polnischen Gdynia vom Stapel und fuhr anschließend unter der polnischen Flagge. Mit seiner Tragfähigkeit von 760 Tonnen gehörte sie zu der Zeit eher zur oberen Klasse unter den KüMos. Die 640 PS leistende Dieselmaschine ermöglichte eine Höchstfahrt von 10 Knoten. Im Jahr 1976 wurde das Schiff nach Griechenland verkauft und erhielt den Namen MS „Pylaros“. Im September desselben Jahres fuhr sie mit einer Ladung von über 1000 Kubikmeter Holz von damals jugoslawischem Dubrovnik nach Syrien. Auf dem Plan standen ein kurzer Zwischenhalt und Proviantübernahme im Hafen von Piräus. Gegen Abend war „Pylaros“ wieder unterwegs im Saronischen Golf, als ihr ein Entgegenkommer zu nahekam und die Besatzung mit Ruderhartlage nach Steuerbord abdrehen musste, um eine Kollision zu vermeiden. Dieses Manöver war derart schnell, dass die Holzladung verrutschte und das Schiff zu kentern drohte. Aus Angst vor dem Untergang sprang die Besatzung freiwillig ins Wasser, während der Kapitän einen Notruf absetzte. Später wurden alle unversehrt von Schleppern und Booten der Küstenwache aufgesammelt. Das Schiff, dagegen, trieb noch fast zwei Stunden mit der Schlagseite, bis es anschließend vor der Küste von Faliro unterging.


Heute liegt „Pylaros“ auf ebenen Kiel auf dem Sandgrund in 52 Metern Tiefe. Die Mastspitzen ragen bis in die Tiefe von 35 Metern hoch.  Das Wrack weist keine Spuren von Bergungen auf und ist deshalb recht gut erhalten. Lediglich die eingangs erwähnten Geisternetze stellen eine deutliche Gefahr für die Taucher dar. Glücklicherweise ist dies bald nicht mehr der Fall. Ein kleines Bisschen wird man aber das stimmungsvolle Bild des „Geisterschiffes“ trotzdem vermissen.



Quellen: Antonis Grafas - www.grafasdiving.gr

Holger Buss - Dive3D.eu

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