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Motorsegler „Amazone“ vor Rügen

Das Wrack wurde 1994 per Zufall während der Vorführung eines militärischen Minensuchsonars gefunden. Eigentlich wollte man dabei den Frachter „Attilla“ aufspüren, der in etwa an der gleichen Stelle gesunken ist.

Der 30 Meter lange und 7,5 Meter breite Stahlsegler „Amazone“ wurde im Jahr 1921 bei der Werft A.G. Weser in Bremen gebaut und hatte eine Tonnage von etwa 150 BRT. Ursprünglich als reiner Dreimaster mit Gaffelrigg entworfen, erhielt der Frachter kurze Zeit später einen Zweizylinder-Glühkopfmotor zur Segelunterstützung. Anschließend wurde einer der Masten abgebaut.

Auf ihrer letzten Reise im Dezember 1939 transportierte „Amazone“ eine Ladung von Altpapier von Kopenhagen nach Stettin, als sie vor Rügen in Sturm geriet. Einige Zeit davor lief sie vor der schwedischen Scherenküste auf einen Felsen, ohne dass ein offensichtlicher Schaden aufgetreten ist. Jedoch wurde der genietete Rumpf derart geschwächt, dass er dem Wellenschlag im Sturm nicht mehr standhalten konnte und leck schlug. Das Wasser schaffte es zunächst unbemerkt in den Laderaum, wodurch die Papierladung aufquoll, und die Ladeluken von unten aufdrückte. Dadurch konnte das überkommende Seewasser zusätzlich von oben ins Schiffsinnere gelangen und verschlimmerte die Gesamtlange weiter. Auf der Höhe von Stubbenkammer war das Schiff nicht mehr zu halten und der Kapitän hat es im letzten Augenblick erfolglos versucht, „Amazone“ vor der Küste auf den Grund zu setzen. Nachdem das Aussetzen des Rettungsbootes ebenfalls scheiterte, rettet sich die fünfköpfige Besatzung auf den Masten und wurde anschließend vom vorbeifahrenden Torpedoboot gerettet.

Bis ins Jahr 1941 ragten die Masten noch aus dem Wasser. 1957 war das Wrack in den Seekarten noch als eine Unreinstelle vermerkt. In den Neunzigern war auch diese Stelle aus den Karten verschwunden, bis das Wrack bei einer Sonarvorführung durch die Besatzung des Erprobungsbootes MS „Schall“ auf der Suche nach einem anderen Wrack in 19 Metern Tiefe wiederentdeckt wurde. Damals noch in einem Stück auf ebenem Kiel liegend, zerfiel „Amazone“ mit dem Bekanntwerden ihrer Position innerhalb von wenigen Jahren, sodass heute nur noch das Hinterschiff halbwegs intakt geblieben ist. Die Laderäume sind weitgehend auseinandergefallen und das Vorschiff wird vermutlich auch nicht allzu lange standhalten.



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