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Postdampfer „Großherzog Konstantin“ vor der Insel Hiddensee

Mit der Widerentdeckung des Postdampfers „Großfürst Konstantin“ im Jahr 2004 und mit seiner anschließenden Identifizierung konnte 2012 eine weitere Lücke in der deutschen Schiffbaugeschichte geschlossen werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts ist aus technischer und schiffbaulicher Sicht ein sehr interessanter Zeitabschnitt. Zu dieser Zeit finden die ersten Dampfmaschinen und die ersten Eisenrümpfe ihren Einzug in die Schifffahrt und mischen sie gründlich auf. Auch in Deutschland findet vieles zum ersten Mal statt. So wird im Jahr 1850 in Rostock die „Schiffswerft und Maschinenfabrik von Wilhelm Zeltz und Albert Tischbein“ gegründet, die als erste in Deutschland ausschließlich auf dem Bau von Eisenschiffen spezialisiert war und noch bis heute als Neptun Werft existiert. Ihr erster Auftrag waren zwei eiserne Schraubdampfer für die "Rostock - St. Petersburger See- und Dampfschifffahrts-Gesellschaft", die ebenfalls ein Novum waren, denn zuvor waren alle in Deutschland gebauten Dampfer ausschließlich als Raddampfer konzipiert. Beim Bau wurden vom Konstrukteur einige vertraglich nicht festgehaltene Änderungen vorgenommen, die dazu geführt haben, dass die Schiffe gegenüber dem Grundentwurf eine signifikant erhöhte Tragfähigkeit und Lecksicherheit besaßen. Auch äußerlich stachen sie mit ihrem eleganten, fast yachtartigen Design mit einem Klippersteven und Schonertakelung hervor. Ergänzt wurde das Bild durch eine 80 PS Dampfmaschine mit Holz- und Kohlefeuerung, die eine Höchstfahrt von bis zu 11 Knoten ermöglichte. Die 55 Meter langen Dampfer waren vorzügliche Seeschiffe und boten genug Platz für 46 Passagiere mit fast 200 Tonnen Ladung. Sie verkehrten nicht nur zwischen Rostock und St. Petersburg, sondern waren des Öfteren auch in London oder in Hamburg zu sehen.

Die „Großfürst Konstantin“ war das zweite Schiff der Kleinserie und wurde nach dem Sohn des russischen Zaren Nikolaus I. und dem Enkel des preußischen König Friedrich Wilhelm III benannt. Ihre kurze Dienstzeit begann und endete im Eis. Bereits bei ihrer Erprobung im Jahr 1857 musste sie sich durch 20 Zentimeter Eis durchkämpfen. Vier Jahre später geriet sie vor Rügen ins Treibeis, der sich immer höher gegen die Bordwände türmte, bis der Rumpf einschließlich nachließ und der Dampfer Nordöstlich der Insel Hiddensee in 21 Metern Tiefe unterging. Die 17-köpfige Besatzung hatte zwar genug Zeit, um sich aufs Eis zu retten, irrte aber anschließend 1,5 Stunden im Sturm umher, bis sie endlich an Land retten konnten. Für 151 Jahre ist das Wrack in die Vergessenheit geraten. Zwar wurde es 2004 bei den routinemäßigen Vermessungsarbeiten durch BSH entdeckt, allerdings dauerte es noch bis 2012, bis es durch die Forschungstaucher von Archaeomare endgültig identifiziert werden konnte.

Nach 162 Jahren auf dem Meeresgrund ist nicht mehr viel von der „Großfürst Konstantin“ übriggeblieben. Die größten noch vorhandene Fragmente sind der Dampfkessel mit dem Ansatz des Schornsteins, Reste des Vor- und Hinterschiffs mit dem Propeller und Ruderwelle. Das Ruder selbst ging schon vor dem Untergang im Treibeis verloren. Darüber hinaus findet man zahlreiche Einzelteile, wie das Bugspriet, Mast, Winden, Anker, Wasserkessel und Teile einer Dampfmaschine.



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