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Der Kriegsfischkutter vor Fehmarn

Bei seiner Entdeckung durch ein Forschungsschiff des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie im Jahr 1993, wurde das Wrack als ein „Sonderfahrzeug Kriegsfischkutter“ vermerkt. Heute lässt sich das kaum noch erkennen.

Beim Kriegsfischkutter (KFK) handelt es sich um einen bestimmten Typ von Hilfskriegsschiffen für eine zumindest theoretische Doppelnutzung. Auf einem seetüchtigen und geräumigen Trawler-Rumpf basierend, waren sie zwar in der zivilen Fischerei einsetzbar, wurden aber von Anfang an für den militärischen Einsatz als Wach- und Vorpostenboote, Minensucher und Uboot-Jäger konzipiert. Aus diesem Grund bekamen sie entsprechende Verstärkungen für die Montage von FlaK-Geschützen, Ablaufschlitten für Wasserbomben oder Winschen für Minenräumgeschirre. Bei dem 1942 bis 1957 gebauten Typ handelt es sich um die größte Schiffbauserie der deutschen Seefahrtgeschichte mit 1072 bestellten Einheiten, von denen 612 Stück auf 42 Werften in sieben Ländern fertiggestellt wurden, 554 zum Kriegseinsatz kamen und mindestens 135 gesunken sind. Die Boote, die den Krieg überlebt haben, wurden bei der Minenräumung oder für den Grenzschutz eingesetzt. Auch Privatyachten auf der KFK-Basis sind aus den frühen Nachkriegsjahren bekannt. Die meisten dieser Boote wurden aber tatsächlich mit Fanggeschirren für den Fischfang nachgerüstet. Gelegentlich bekamen sie eine reduzierte Segel-Rigg. Insgesamt war der 24 Meter lange und 6,4 m Breite Entwurf mit einer Verdrängung von 110 Tonnen dermaßen erfolgreich, dass seine Weiterentwicklungen europaweit bis in die 1970-er Jahre gebaut wurden.


Allein die Anzahl der gebauten und gesunkenen Kriegsfischkutter macht es extrem Schwierig das in 26 Metern vor Fehmarn liegende Wrack zu identifizieren. Vorausgesetzt die BSH-Taucher hatten Recht und es sich tatsächlich um einen KFK handelt… Der Hacken liegt zum einen daran, dass das Holzboot inzwischen sehr zerfallen ist und zum anderen, dass die Sicht an dieser Stelle oft zu wünschen übriglässt. Von unseren zwei Tauchgängen mussten wir das erste abbrechen, weil das Wrack nur noch abgetastet werden konnte. Auch beim zweiten Versuch war die Sicht zu schlecht, um die Wrackproportionen im Ganzen zu erfassen. Es gab keine Möglichkeit nach typspezifischen Details, wie Geschützen oder markanten Decksaufbauten zu schauen. Das für die meisten Baulose spezifisches Spiegelheck ist ebenfalls nicht zu erkennen, da das Hinterschiff vollständig zerstört ist – eine Beschädigung, die für zivile Fischtrawler typisch ist, wenn diese versehentlich Seeminen mit ihren Netzen fangen. Bei einem der zukünftigen Tauchgänge könnte man versuchen festzustellen, ob die Spanten des sonst mit Nadelholz beplankten Rumpfes aus Stahl gefertigt wurden, was mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen KFK sprechen würde. Somit ist die zeichnerische Rekonstruktion des Wracks zwar hochgradig spekulativ, bietet aber eine gewisse Übersicht dieses Wirrwarrs aus zusammengefallenen Decks, Aufbauten und Netzen.


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