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Fähre "Salem Express" vor Safaga

Die MV "Salem Express" ist eines der bekanntesten Wracks im Roten Meer und zugleich das mit einem der traurigsten Schicksale.

Die Ro-Ro Fähre wurde 1966 in Frankreich unter dem Namen "Fred Scamaroni" gebaut und fuhr Fahrgäste zwischen dem französischen Festland und Korsika. Trotz einiger Eigner- und Namenswechsel wurde das 110 Meter lange Schiff sein ganzes Leben lang von Havarien, Kollisionen und Unfällen heimgesucht, beginnend mit einem Brand im Maschinenraum, der bereits den Stapellauf verzögerte. Zuletzt verkehrte die "Salem Express" unter ägyptischer Flagge zwischen Dschidda und Sues. Auch auf ihrer letzten Reise am 14. Dezember 1991 war sie mit über 650 Passagieren und Besatzungsmitgliedern unterwegs. Die genaue Personenzahl ist nach wie vor unbekannt. Man vermutet, dass die Fähre, wie so oft üblich, überladen gewesen sein könnte. An Bord waren hauptsächlich in Saudi-Arabien schuftende Gastarbeiter auf dem Heimweg zu ihren Familien sowie Pilger auf der Rückreise aus Mekka.


Über den genauen Verlauf der Tragödie wird bis heute nur spekuliert. Die Fähre ist von ihrem gewohnten Weg zu einem Zwischenstopp in Safaga abgekommen und dabei kurz vor dem Hafen mit dem Shaab Sheer Riff kollidiert. Die Beschädigung des Bugvisiers in Verbindung mit den weiteren Lecks auf der Steuerbordseite führten zu einem Untergang innerhalb von nur 20 Minuten. Kurz vor Mitternacht wurden die Menschen im Schlaf überrascht, sodass nur wenige gerettet werden konnten. Die exakte Anzahl der Todesopfer ist nicht bekannt und variiert zwischen 464 und 485. Nach Aussagen des Eigners kam das Schiff wegen des Unwetters und hoher Wellen vom Kurs ab und hat auf die Warnungen nicht reagiert. Die offiziellen Stellen bestätigen dies nicht. Klar ist, dass die Besatzung dafür bekannt war, eine Südabkürzung zwischen der Küste und Shaab Sheer zu nehmen, anstatt das Gefahrengebiet nördlich des Panoramariffs zu umrunden.


Heute liegt die "Salem Express" in einer Tiefe zwischen 32 und 11 Meter, wodurch sie zu einem beliebten Ziel für Sporttaucher geworden ist. Je nachdem, mit welchem Anbieter man unterwegs ist, wird aus Pietätsgründen gebeten, auf die Wrackpenetration zu verzichten. Schließlich konnten mehrere hundert Menschen das Schiff nicht verlassen und sind für immer in ihren Kabinen und Gängen geblieben.


Artikel zuerst veröffentlicht in der Zeitschrift "Wetnotes" Nr. 42

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