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Korvette „Camilla“ vor der Insel Mön

  • Autorenbild: Der Wrackzeichner
    Der Wrackzeichner
  • 28. Sept.
  • 3 Min. Lesezeit

Der vermeintliche Fund der schwedischen Korvette „Camilla“ ereignete sich im Jahr 1975. Kurze Zeit später stellte sich aber heraus, dass es sich beim Wrack in der Faxe Bucht vor der dänischen Insel Mön in Wirklichkeit um schwedische Fregatte „Birger Jahrl“ handelte. Es dauerte eine Weile bis die echte „Camilla“ auf der abgewandten Seite der Insel in der Hjelm Bucht entdeckt wurde. Dieses Wrack erzählt eine faszinierende Geschichte von Mut und Widerstandsfähigkeit.

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Von 1808 bis 1809 tobte in der Ostsee der Dänisch-Schwedische Krieg als Teil von sogenannten Koalitionskriegen und vom Russisch-Schwedischen Krieg. Inmitten dessen wurde auf der schwedischen Seite eine ursprünglich als Handelsschiff gebaute und später zum Kriegsschiff umgerüstete Korvette „Camilla“ zum Schutz von Seewegen und von Handelsschifffahrt in der Ostsee und in Kattegat eingesetzt. Kurz vor Weihnachten 1808 stach sie mit einem englischen Konvoi aus Carlskrona unterm Kommando des britischen Leutnants J. G. Escholin in See. Zwei Tage später wurde der Konvoi durch Gegenwind vor der Halbinsel Falsterbo aufgehalten und ging dort für eine Woche vor Anker. Der anschließende Versuch durchzubrechen war nur unter Ankerverlust möglich und endete für einige Konvoiteilnehmer mit Manövrierunfähigkeit im Treibeis, mit dem sie in Richtung der dänischen Insel Saltholm trieben und auf Grund liefen. „Camilla“ brach das Ruder und erhielt weitere Schäden am Bug. Zu dieser Zeit bemerkten Dänen das Konvoi und schickten übers Eis mehrere Trupps von bewaffneten Soldaten, die ein Kapperversuch unternehmen sollten. Die Korvette vereitelte dieses Vorhaben durch das Feuer ihrer Bordkanonen, wurde aber später durch Wind und Strömung von ihrem Ankerplatz gerissen und driftete in die Kögebucht, verfolgt von immer zahlreicher werdenden gegnerischen Schiffen und Booten. Südlich der Halbinsel Stevns wurde sie in der Faxebucht über mehrere Tage durch einen Oststurm im Eis festgesetzt, der so dick war, dass die dänischen Truppen ihre Kanonen darauf transportieren konnten. Daraufhin lies Escholin provisorische Stellungen im Eis um das Schiff errichten und wehrte damit mehrere Angriffe von Späh- und Jägertrupps ab. Auch drei Verhandlungen konnten den Kapitän nicht dazu zwingen, sich und sein Schiff zu ergeben, sodass die Dänen anschließend einen groß angelegten Angriff mit 250 Soldaten wagten. Auch dieser wurde durch Geschütze von „Camilla“ abgewehrt. Weil auch das dem Leutnant nicht genug war, ging er mit seinen Männern sogar selbst in den Gegenangriff über und zerstörte mit einem Matrosenkommando ein dänisches Kapperschiff, das gerade im Begriff war, seinen Hafen zu verlassen. Sechs dänische Freibeuter wurden dabei in die schwedische Gefangenschaft genommen. Am nächsten Tag öffnete sich die Eisdecke etwas, wodurch „Camilla“ zusammen mit einer großen Eisscholle, von der sie umschlossen war, innerhalb von wenigen Tagen einige Seemeilen östlich der Insel Mön abgetrieben ist. Beflügelt von der neuen Hoffnung, die schwedische Küste wieder zu erreichen, versuchte die Besatzung mit der neuen Kraft das Schiff aus dem Eis zu befreien, nur um dann festzustellen, dass der neue Eissturm „Camilla“ endgültig im Eis südwestlich der Insel Mön einschloss. Diesmal mit einem derartigen Druck, dass der Kiel und Bodenschale zertrümmert wurden. Um die Korvette schwimmfähig zu erhalten, musste ein Großteil der 20 Geschütze über Bord geworfen werden. Zudem gingen die Lebensmittelvorräte nach fast anderthalb qualvollen Monaten von Kampf, Arbeit und Kälte zuneige. Unter diesen Umständen blieb dem Leutnant Escholin am 10. Februar 1809 nichts mehr anderes übrig, als das Schiff anzuzünden und sich mit seiner Besatzung in die dänische Kriegsgefangenschaft zu ergeben. „Camille“ ging in die Luft in dem Moment, als die Männer die Küste von Mön zu Fuß erreicht haben.


Heute liegt das Wrack in einer Tiefe von 21 Metern. Übrig ist davon nur die Bodenschale mit dem Kielschwein und zahlreichen Ballaststeinen. Im unmittelbaren Umfeld sind insgesamt 13 Kanonen sichtbar auf dem Grund verteilt. Ein großer Stockanker, Ankerwinde und der massive Vorsteven runden das Bild ab.


 Holger Buss - Dive3d.eu


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