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Frachtschiff S/S „Väring“ vor Fehmarn

Der schwedische Frachtdampfer am östlichen Rand vom Fehmarnbelt ist der Beweis dafür, dass man nicht unbedingt weit verreisen muss, um ein wunderschönes Wrack der Weltklasse betauchen zu können.


Der Werdegang des 73 Meter langen und fast 11 Meter breiten Schiffs begann im englischen Middlesbrough, als es im Jahr 1898 unterm Namen „Elna“ vom Stapel der Werft „Sir Raylton Dixon & Co. Ltd.“ lief. Der erste Eigentümer war die dänische Reederei mit dem elendig langen und unaussprechlichen Namen „Dampskibsselskabet Heimdal A/S D/S – Carl M. – Martin Carl“ aus Kopenhagen. Im Jahr 1923 ging der Dampfer nach Schweden und wurde auf den neuen Namen „Väring“ umgetauft, was sich aus dem Altnordischen als „eingeschworener Weggefährte“ übersetzen lässt. Mit seiner Brutto-Tonnage von knapp 1300 Tonnen und einer 650 P.S. leistenden Dreizylinder-Dampfmaschine war er weder besonders groß und tragfähig noch schnell. Für 50 Jahre war er einfach eins von diesen unscheinbaren, aber zuverlässigen Weggefährten in der Handelsschifffahrt und das Zuhause für Generationen von Seefahrern. Er überlebte beide Weltkriege, nur um dann an einem kalten Dezemberabend im Jahr 1948 Opfer einer Kollision mit dem russischen Frachter „Stepan Khalturin“ zu werden.


Es waren gerade mal drei Jahre seit dem Ende des zweiten Weltkriegs vergangen und der Schiffsverkehr in der westlichen Ostsee, die ohnehin eines der meistbefahrenen Gewässer der Welt ist, musste zusätzlich unter dichten Minenfeldern leiden, die nach dem Krieg übriggeblieben sind. Die vielen Schiffe wurden im sogenannten „Zwangsweg 1“ - einem Nadelöhr and der deutsch-dänischen Seegrenze noch stärker zusammengepresst, als ohnehin üblich, um diesen engen minenfreien Korridor zwischen Fehmarnbelt und Mecklenburger Bucht nutzen zu können. Manövrier- und Navigationsfehler waren unter diesen Bedingungen quasi vorprogrammiert. So geschah es auch diesmal, als die „Väring“ mit voller Ladung Steinkohle auf dem Weg von Danzig nach L’Orient unterwegs war. Sie wurde vom Entgegenkommer auf der Backbordseite getroffen und sank an Ort und Stelle, während die gesamte Besatzung unversehrt gerettet werden konnte und in Rostock wieder an Land ging.


Heute liegt das Wrack direkt neben dem schwer befahrenen Kiel-Ostsee-Weg in 26 Metern Tiefe und ragt etwa 8 Meter über Grund. Das mittlere Schiffsteil wurde in den 1950-ern Jahren mit einem Greifer zusammen mit dem Großteil der Kohleladung abgeborgen und stellt inzwischen nur noch einen verwirrenden Trümmerhaufen dar. Die üppig mit Seenelken bewachsenen Vor- und Hinterschiff sind dagegen relativ gut erhalten. Das Highlight des Wracks ist das besonders fotogene Notsteuerrad in der Nähe des Heckspiegels. Besonders herausfordernd kann der Tauchspot durch die Strömung, Dunkelheit, schlechte Sicht und den Lärm der dicht vorbeifahrenden Frachtschiffe werden. Als Belohnung weiß man dann aber, dass nicht allzu viele Taucher dieses Wrack erleben durften.


Peter Klink - Bubblewatcher.de


Dieser Artikel wurde außerdem im "Wetnotes"-Magazin Nr. 51 veröffentlicht

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