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Wrack „Clara“ vor Mallorca

Das kleine Trümmerhaufen, an dem man nicht einmal richtig erkennt, was es mal gewesen sein könnte, ist der Beweis dafür, dass man manchmal auch mit unscheinbaren Wracks Spaß haben kann.


Obwohl die winzige Felseninsel Illot del Sec in der Bucht von Palma de Mallorca gerade mal 130 m lang und 25 m breit ist, stellt sie eines der beliebtesten Tauchziele für die umliegenden Tauchbasen dar. Sie ist für Sporttaucher auf jedem Ausbildungsniveau geeignet und hat neben seegrasbedeckten und fischreichen Plateaus gleich zwei Wracks zu bieten. Eines davon ist ein kleines Boot namens „Clara“ in 18 Metern tiefe, von dem man heute nicht mehr weiß, was es für eins war und wie es hierher kam. Nicht viel ist davon übriggeblieben: hier mal ein Mast, dort mal ein Motor, drüben mal eine Edelstahlkiste und insgesamt zahlreiche verstreute Kleinteile. Auf den ersten Blick sieht es nach einem gewöhnlichen Sportboot aus. Aber auch nur auf den ersten Blick. Denn Wracks können einiges über sich erzählen, wenn man genau hinhört und hinschaut…


Fangen wir mit dem vergleichsweise großen Sechszylinder-Reihenmotor an, der auf eine gute Motorisierung hindeutet. Gleich dahinter liegt eine kurze Antriebswelle mit einem Propeller. Nur ein breiter und völliger Rumpf würde es erlauben, den schweren Innerborder-Motor und den Propeller so nah beieinander und ohne Z-Getriebe zu platzieren: ein Rumpf, der nicht auf Geschwindigkeit ausgelegt ist. Ebenso ein Vierblatt-Propeller, der bei kleinen Booten häufig dort verwendet wird, wo man einen ordentlichen Schub bei niedriger Geschwindigkeit braucht – zum Beispiel bei einem Fischerboot oder einem kleinen Schlepper. Direkt vor dem Motor liegt eine große Winde, die möglicherweise sogar eine mechanische Antriebsverbindung mit der Maschine hatte – etwas, von dem nur ein Arbeitsfahrzeug Gebrauch machen könnte und kein Sportboot. Zwar liegt neben dem Wrack ein Mast, doch von einem Segelbaum oder dessen Aufhängung gibt es keine Spur – stattdessen eine Leiter, die man für eine Segelrigg normalerweise nicht brauchen würde. Auch wenn diese Deutung letztendlich sehr spekulativ bleibt, wurde das Wrack auf der Zeichnung als ein traditionelles „Barque del Bou“ dargestellt – eine für Balearische Inseln typische Bauart von paarweise operierenden Schleppnetz-Fischerbooten, von denen es auf Mallorca bei der maximalen Flottenausdehnung bis zu 100 Stück gegeben hat. Im Übrigen liegt in unmittelbarer Nähe und in einer Tiefe von 29 Metern ein weiteres und deutlich größeres Holzwrack, dessen Geschichte, wiederum, bekannt ist. Das Fischerboot „Regina Maris“ wurde vor der Insel als Attraktion für die Passagiere eines Touristen-Ubootes versenkt, welches hier mal im Betrieb war. Gleichem Zweck diente auch der große Anker nebenan. Auch sonst wurden vor Mallorca einige alte Bou-Boote von ihren Besitzern entsorgt. Ein weiteres („Rafael Maroto“) liegt beispielsweise seit 1982 vor der Insel Sa Dragonera.



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