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Küstenpanzerschiff "Norge" vor Narvik

"Zwei norwegische Küstenpanzer versuchen, das Einlaufen in den Hafen von Narvik mit Waffengewalt zu verhindern. Beide werden versenkt."

Hinter diesen zwei kurzen Sätzen aus dem deutschen Propaganda-Film "Kampf um Norwegen – Feldzug 1940" verbirgt sich der Beginn einer der wichtigsten Episoden während der Kriegsmarine-Operation "Weserübung" zur Besetzung Norwegens. Die Versenkung der beiden Panzerschiffe "Norge" und "Eidsvold" durch die technisch deutlich überlegenen deutschen Zerstörer ist gleichermaßen ein tragisches Kapitel der königlich-norwegischen Marinegeschichte und ein Symbol für die norwegische Entschlossenheit, das eigene Land bis zum bitteren Ende zu verteidigen.


Die "Norge" wurde zusammen mit ihrer Schwester, dem Typschiff der "Eidsvold"-Klasse, in Großbritannien gebaut und lief im Jahr 1900 vom Stapel. Bereits wenige Jahre später wurde ihre Technik durch die bahnbrechenden neuen Entwicklungen de facto obsolet. Zum Zeitpunkt der Invasion waren diese Schiffe seit 39 Jahren im Dienst und hatten den drei hochmodernen deutschen Zerstörern, die den Hafen von Narvik einnehmen sollten, wenig entgegenzusetzen. Dennoch konnte die "Eidsvold" einen der Zerstörer mit einem Warnschuss aufhalten. Die restlichen beiden fuhren dank des Schlechtwetters unbemerkt in den Hafen hinein und konnten sogar festmachen, bevor sie entdeckt wurden. Nach kurzen Verhandlungen lehnte die norwegische Besatzung ab, sich zu ergeben, und wurde anschließend vom Zerstörer Z21 "Wilhelm Heidkamp" torpediert. Das Panzerschiff ging unter, ohne auch einen weiteren Schuss abgeben zu können. Die "Norge" konnte wiederum den Zerstörer Z11 "Bernd von Arnim" in ein Gefecht verwickeln, bevor sie ebenfalls mit einer Salve von Torpedos an zwei Stellen getroffen wurde und unterging. Insgesamt 282 norwegische Seeleute verloren ihr Leben auf beiden Schiffen.


Aufgrund der enormen Symbolkraft ist die "Norge" eines der sensibelsten norwegischen Wracks. Um die Plünderung zu verhindern, herrschte hier bis 2014 ein absolutes Tauchverbot. Die Zeichnung zeigt das circa 95 Meter lange Kriegsschiff, so wie der Autor es im Juli 2019 betauchen durfte.


Artikel zuerst veröffentlicht in der Zeitschrift "Wetnotes" Nr. 44

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