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Schaufelraddampfer "Großherzog Friedrich Franz II" in der Kadetrinne


Zuerst wurde das namenlose Wrack im Jahr 2020 vom Vermessungsschiff des dänischen hydrographischen Dienstes in der extrem stark befahrenen Kadetrinne zwischen Dänemark und Deutschland entdeckt. Als es dann im September 2020 von einer Unterwasserdrohne und von Tauchern des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) untersucht wurde, war es dann eine kleine Sensation. Es handelte sich um nichts geringeres, als das Wrack des Schaufelraddampfers "Großherzog Friedrich Franz II", welches im Jahr 1849 bei einer Kollision mit einem anderen Dampfschiff unterging. 171 Jahre lang blieb die letzte Ruhestätte des technikgeschichtlich bedeutenden Seitenraddampfers unbekannt.

Fächerecholot (Multibeam Imaging Sonar) Aufnahme des Wracks. Quelle: BSH

Das Schiff wurde im Jahr 1847 in Großbritannien auf der Werft Smith & Rodger in Govan am Clyde nahe Glasgow gebaut und auf den Namen "Earl of Rosslyn" getauft. Im selben Jahr trat sie ihren Dienst als Postschiff bei der Edinburgh & Dundee Steam Packet Co an. Der 43 m lange Dampfer mit einer Bruttotonnage von 199 Registertonnen wurde durch eine 140 P.S. bemessene Dampfmaschine angetrieben. Diese als vergleichsweise laufruhig empfundene Maschine in Verbindung mit einer luxuriösen Ausstattung bescherten eine recht komfortable Überfahrt für bis zu sechs Passagiere. Bereits im Juni 1849 wurde sie gegen das Ende der Deutschen Revolution von der Mecklenburgischen Dampfschifffahrtsgesellschaft in Wismar gekauft. Dabei erhielt sie den Namen des herrschenden Großherzogs von Mecklenburg, des Friedrich Franz II. Leider wurde sie bereits bei der ersten Fahrt zwischen Wismar und Kopenhagen vom Dampfschiff "Lübeck" auf der Backbordseite hinter dem Schaufelrad gerammt und ging nach 45 Minuten unter, wobei zwei der sechs Passagiere ihr Leben verloren. Hinterher gaben die Kapitäne von beiden Schiffen widersprüchliche Berichte ab, wobei die exakte Ursache für diese Kollision unaufgeklärt blieb.

Side Scan Sonar Aufnahme des Wracks. Quelle: BSH

Die Zeichnung des Wracks ist 2022 nach einer Tauchexpedition an Bord des niederländischen Traditionsseglers "Zephyr" entstanden. Durchgeführt wurde das Projekt von Marine Research Germany, Berlin mit Unterstützung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern. Zu den Kernaufgaben bei der Expedition gehörte eine detaillierte wissenschaftliche Erfassung des schiffstechnischen Bodendenkmals und Vorbereitung eines Structure-From-Motion 3D-Modells des weitgehend intakten, auch wenn stark versandeten Schiffsrumpfs und der Antriebsanlage. Die besondere Herausforderung bei den Tauchgängen (aber dadurch auch die Einzigartigkeit des Vorhabens) bestanden darin, dass das Wrack mitten in der schwer befahrenen Kadetrinne liegt, die als das schwierigste und gefährlichste Fahrwasser der Ostsee gilt. Das Tauchen hier war nur mit einer zentral koordinierten Umleitung des Schiffsverkehrs möglich. Neben dem ohrenbetäubenden Donnern der Schiffsmaschinen erschwerte eine miserable Sicht von einem bis zwei Metern die Arbeit in 27 m Tiefe zum Teil erheblich.


Quellen: Veus-Shipping.com

BSH




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